Die letzte nr-Fachkonferenz “Daten, Recherchen, Geschichten” ist noch nicht lange her, da steht bereits die nächste Fachkonferenz zum Thema Datenjournalismus in den Startlöchern. Journalismfund.eu, Wobbing.eu und Farmsubsidy.org veranstalten vom 6.-8. Mai die ‘Data Harvest Conference’ in Brüssel. In vier verschiedenen Räumen haben die Teilnehmer die Möglichkeit neue Methoden zur Datenbeschaffung und -auswertung kennenzulernen, sich zu ihren Projekten auszutauschen und Kontakte über Grenzen hinweg zu knüpfen. Die Konferenzsprache ist durchgehend in Englisch. Anmeldungen sind noch bis zum 27. April 2012 möglich.
Im gleichen Zeitraum lohnt es allerdings auch, einen Blick nach München zu werfen. Dort findet vom 2. 9. Mai das 27. Internationale Filmfestival München statt. Neben der Gelegenheit, Dokumentarfilme aus 38 – insbesondere arabischen – Ländern schauen zu können, bietet die AG DOK die DOK.forum Lounge an, in der Veranstaltungen angeboten werden, die hinter die Kulissen blicken und fragen, wie ein Dokumentarfilm entsteht. An dieser Stelle sei die Fallstudie zum Investigativen Dokumentarfilm hervorgehoben, die am 5. Mai um 15 Uhr stattfindet und deren Thema die Frage ist, wie und wann Informanten bereit sind, ihre Geschichten auch vor der Kamera zu erzählen. Der Eintritt kostet 5 Euro.
Das Internet, unendliche Weiten. Was hierzulande so mancher durch geplante Gesetzesabkommen wie ACTA bedroht sieht, ist in anderen Ländern bittere Realität. Zum Beispiel im Iran: Reporter ohne Grenzen berichtete jüngst vom Fall des iranischen Netzaktivisten Mohammed Sollmaninja. Dieser wird nach ROG-Informationen seit seiner Gefangennahme dazu gedrängt, der Landesführung zu helfen, ein nationales, von kritischen Inhalten gesäubertes Internet auszubauen.
“Der Schlüssel zum Habenwollen ist, schlicht und ergreifend: Liebe.” Der Filmemacher Dietrich Brüggemann blickt aus der Perspektive eines Kunstschaffenden auf die aktuelle Urheberrechtsdebatte und kommt zu dem Schluss, dass die Existenz von Künstlern nicht von neuen Medien wie dem Internet bedroht werden. Vielmehr glaubt er, “daß es für Kunst und Kultur gut sein könnte, wenn einige Dinge sich ganz vorsichtig ein wenig in die Richtung verschieben, wie sie von Netzaktivisten gefordert wird – kürzere Fristen, mehr Freiheiten.”
Das Medienmagazin ZAPP zeigt gegen welche Widerstände Journalisten mitunter zu kämpfen haben. Einer der Betroffenen, Stefan Loipfinger berichtete bereits am vergangenene Wochenende, auf der nr-Fachkonferenz Daten, Recherchen, Geschichten über sein Portal CharityWatch.de (und warum die Arbeit eingestellt werden musste).
Renate Daum wird auf der nr-Jahrestagung 2012 ein Seminar halten und uns berichten wie Firmen Journalisten versuchen von der Arbeit abzuhalten, auch mit Methoden die jenseits des Presserechts liegen.
Mit Datenjournalismus und Online-Recherche beschäftigte sich am Wochenende die nr-Fachkonferenz Daten, Recherchen, Geschichten bei Gruner + Jahr in Hamburg. Michael Praetorius und Ansgar Mayer haben mehrere Vorträge und Diskussionen aufgezeichnet. Die Videos sind auf spreerunde.de abrufbar – und hier:
Brant Houston gab zum Auftakt der Konferenz eine umfassende Einführung in die Geschichte des Datenjournalismus und ordnete diese publizistische Form in das Repertoire des seriösen Journalisten ein:
Weitere Videos:
In der Eröffnungsrede gibt der Chefredakteur des stern, Thomas Osterkorn, einen Überblick über die Chancen und Risiken, die im digitalen Zeitalter durch die größere Verfügbarkeit von Daten bestehen.
Gregor Aisch zeigte anhand der kollaborativen Plagiatsdokumentation „Guttenplag“ und seiner Arbeit zu den Berliner Flugrouten, wie sich Daten visualisieren lassen.
“Auch Fernsehzuschauer brauchen mehr als Nachrichten, brauchen Hintergrundwissen, um die Nachrichten verstehen, einordnen zu können.” Stephan Lamby betont in seinem neuesten Dossier die Notwendigkeit des Genres Dokumentarfilm zu Hauptsendezeiten, um der breiten Bevölkerung Zusammenhänge zu illustrieren zu können und kritisch gegenüber ihren Hauptinformationsquellen zu machen.
Mit dem Umweltinstitut geht eine neue Weiterbildungsagentur an den Start mit einem inhaltich grünen Schwerpunkt. Neben zahlreichen Weiterbildungsangeboten bietet das Institut eine umfangreiche Datenbank mit Kontaktadressen zu relevanten Ansprechpartnern.
“Das Internet als Quelle anzugeben, ist so journalistisch, wie sich darauf zu berufen, das habe jemand am Telefon gesagt.” Journalistische Arbeit bedeutet stets ein Trennen von Wichtigem und Unwichtigem. Marcus Lindemann stellt in seinem Artikel einige Überlegungen an, wie das Filtern von Informationen in Zeiten des Internets erfolgreich gelingen kann.
“Texte, Ansprachen und Gesten politischer Natur sind während des Contests untersagt.” Nach den offiziellen Regeln soll der Eurovision Song Contest eine kritiklose, leicht bekömmliche Unterhaltungssendung sein.
Mit einem satirischen Seitenhieb lässt die Sendung Extra 3 jedoch Zweifel an dem unpolitischen Charakter aufkommen. Demnach ist der Wettbewerb sehr wohl ein Instrument zur politischen PR, um die aserbaidschanische Diktatur als progressiven, weltoffenen Staat zu präsentieren.
Dass nach dieser Darstellung das “weltoffene Aserbaidschan” allerdings nach dem Grand Prix nicht mehr sein wird als ein veraltetes Filmset, das zum Abriss freigegeben wird, machen verschiedene Aktivisten deutlich. Der Blogger Emin Milli blickt dazu im Interview mit Reporter ohne Grenzen hinter die aufgestellten Fassaden. So berichtet Milli über die offenen Repressionen gegen die Menschen, die sich trauen, gegen das Regime öffentlich Stellung zu beziehen. Ebenso erzählt er von den erschreckend-kreativen Formen des Widerstandes während der Gefangenschaft. “Gefangene haben sich oft ihre Münder zugenäht, um ihre Meinung auszudrücken oder nach einem Anwalt zu verlangen.”
Nichtsdestotrotz sieht Milli den Eurovision Song Contest auch als Chance. Denn im Fokus der Weltöffentlichkeit hofft er, die autokratische PR-Kampagne für die Zwecke der unterdrückten Bevölkerung nutzen zu können. “Europa sollte am Ende ein komplexeres Bild der Realität in Aserbaidschan haben als nur einige vorsichtig ausgewählte Stücke der sozialen und architektonischen Realität.”
Transparency Deutschland fordert nun folgerichtig das Ende sämtlicher Journalistenrabatte. Der Deutsche Journalistenverband sieht die Sache anders: „Journalisten haben keine Vorbildfunktion, sie sind nicht vom Volk gewählt“, erklärt DJV-Sprecher Hendrik Zörner.
Wir diskutieren das Thema auf der nr-Jahreskonferenz 2012 am 1./2. Juni beim NDR in Hamburg.
„Man kann jedem nachweisen, er sei Nazisymphatisant.“ Harald Martenstein nimmt die Herausforderung an, mit ein wenig Ehrgeiz jede Person in ein braunes Licht zu rücken. Seine ersten Kandidaten sind Richard von Weizsäcker, Alice Schwarzer und Roberto Blanco. Damit zeigt er nebenbei, wie Rechercheergebnisse von einem vorgefertigtem Ziel manipuliert werden können.
Dass Smartphones mittlerweile eine Art Eigenleben entwickelt haben, ist nichts Neues mehr. Doch was sie in diesem Eigenleben alles treiben mit den Daten ihrer Benutzer, wissen oft nur ihre Hersteller. Deswegen hat der FoeBud e.V. nun die Kampagne Free your Android gestartet, um der Datensammlung Einhalt zu gebieten.
Im Gegensatz zu Apple und Google sieht das russische Regime um Putin das Sammeln von Daten kritisch, jedenfalls wenn es um Daten über die eigenen zwielichtigen Praktiken geht. Journalisten, die nicht auf Kremllinie sind und trotzdem eine unabhängige Berichterstattung ermöglichen, sehen sich daher diversen Repressionsmaßnahmen ausgesetzt, wie die Reporter ohne Grenzen jüngst berichteten
Zensur und Rufmord. Diese beiden Mittel sind es, die das weißrussische Regime benutzt, um kritische Stimmen verstummen zu lassen.
Wie dies konkret geschieht, beschreibt der weißrussische Journalist Victor Martinovich im n-ost Länderspezial: “In Belarus werden ausschließlich politische Aktivisten ‘augelöscht’. Irgendjemand in Belarus hat begriffen, dass es, um die ganze Gesellschaft unter Kontrolle zu halten, genügt, nur die wenigen zu terrorisieren, die sich für Politik interessieren. Die besten von ihnen. Die engagiertesten.”
Für den Journalismus in Weißrussland bedeutet das: Zensur. Allerdings ist diese Zensur keine, die offen zu Tage tritt und bestimmte Vorschriften durchsetzt. Vielmehr handelt es sich um ein “geheimes, unerklärtes Verbot”, wie Martinovich erklärt: “Wird […] in Belarus ein Buch verboten, wird es schweigend aus dem Regal genommen: Überlege dir selbst, weswegen.” Viele Reporter sehen sich daher gezwungen, sich selbst zu zensieren, um nicht ins Visier des Regimes zu geraten.
Jene Journalisten jedoch, die sich über diese Schranken der Zensur hinwegsetzen, sehen sich noch anderen Repressalien ausgesetzt. Neben Einschüchterungen und Verhaftungen ist der Rufmord ein gängiges Mittel, um unliebsame Kritiker zum Schweigen zu bringen. Aktuell sieht sich die Vorsitzende des belarussischen Journalistenverbandes, Zhanna Litvina, einer Rufmordkampagne ausgesetzt, nachdem sie über die Proteste nach der Wahl 2010 berichtet hatte. Ihr Fall wurde jüngst von Reporter ohne Grenzen verurteilt. Wie ROG mitteilt, wurde Litvina im belarussischen Staatsfernsehen als selbstverliebte Verbandschefin diffamiert, die die Wahrheit vertusche und Geld veruntreue.
“Ich stelle immer wieder fest, dass wir mit unseren Talenten verantwortungslos umgehen.” Mit diesen Worten machte Dokumentarfilmer Andres Veiel in einer Diskussion des Deutschlandradios anlässlich der Berlinale und bei der Mitgliederversammlung der AG DOK auf die Vernachlässigung des Genres im öffentlich-rechtlichen Fernsehen aufmerksam. Die Etats für Dokumentationen seien auf ein Niveau geschrumpft, das für die bestens ausgebildeten Filmemacher oft kaum zum Leben reiche.
Während aufwendige Dokumentationen mit Sendeplätzen um Mitternacht leben müssen, erhalten billig produzierte Doku-Soaps immer mehr Raum im deutschen Fernsehen. Im Kino dagegen erleben wir eine Renaissance des Dokumentarfilms. Über diesen Widerspruch sprach im Deutschlandradio Susanne Burg mit den Dokumentarfilmregisseuren Andres Veiel und Annekatrin Hendel, sowie mit Kristian Kähler (Geschäftsführer der Produktionsfirma fernsehbüro) und Martina Zöllner (Kultur-Chefin des SWR). Die Diskutanten betrieben nicht nur Ursachenforschung, etwa hinsichtlich der mangelnden finanziellen Ausstattung, sondern beleuchteten auch die Chancen des Dokumentarfilms, wie dies auch auf dem Talent-Campus der Berlinale geschehen ist, wo die Dokumentarfilmer Victor Kossakovsky und Sophie Fiennes die Notwendigkeit der intensiven Vorbereitung betonten “to get a feeling where to go”. Man könne nicht einfach losmarschieren, sondern müsse sich mit der Materie vertraut machen, damit man die besonderen Perspektive angemessen in den Filmen transportieren könne.
netzwerk recherche wird sich bei seiner Jahreskonferenz 2012 in einem Schwerpunkt mit Dokumentarfilm und Dokumentation auseinandersetzen. Das Programm erscheint Ende März.